Eine Debatte zwischen Kontinuität und Bruch – und warum sie theologisch so viel entscheidet

Jason Liesendahl, 19.01.2026

Liesendahl_2026_Gab es sexuelle Orientierung schon in biblischen Zeiten als pdf-Version. 

In der aktuellen Podcastfolge gehe ich einer Frage nach, die seit Jahren zu den neuralgischen Punkten evangelischer Sexualethik gehört: Gab es in der Antike – und damit auch im Neuen Testament – bereits so etwas wie sexuelle Orientierung? Oder ist dieses Konzept ein Produkt der Moderne, das sich nicht ohne Weiteres auf biblische Texte zurückprojizieren lässt?

Ausgangspunkt ist das Buch Wege zur Liebe von Thorsten Dietz und Tobias Faix, das für eine transformative Sexualethik plädiert und queeren Christ:innen volle kirchliche Teilhabe ermöglichen will. Kritisch rezensiert wurde das Buch unter anderem von Armin Baum, der eine deutlich konservativere Position vertritt. In der Folge analysiere ich diese Rezension – bewusst konzentriert auf einen einzigen, aber entscheidenden Punkt: den Begriff der sexuellen Orientierung.

Warum ist das relevant? Weil an dieser begrifflichen Frage letztlich hängt, ob biblische Verurteilungen gleichgeschlechtlicher Praxis direkt auf heutige queere Lebensformen angewendet werden können – oder ob genau das eine historische Verkürzung wäre.

 

Zwei Lager, ein Kernkonflikt: Kontinuität oder Diskontinuität?

Ich strukturiere die Debatte entlang zweier klar unterscheidbarer Positionen. Auf der einen Seite stehen Thorsten Dietz und Tobias Faix mit einer Diskontinuitätsthese. Sie argumentieren konstruktivistisch: Sexuelle Orientierung – verstanden als stabile emotionale, sexuelle und romantische Ausrichtung, verbunden mit Selbstkonzept und Gruppenidentität – sei ein modernes Konzept, das in der Antike so nicht existierte. Biblische Texte seien daher „Karten“ aus einer anderen Zeit, die nicht eins zu eins auf das heutige „Gebiet“ übertragen werden könnten.

Demgegenüber vertritt Armin Baum eine Kontinuitätsthese. Er geht davon aus, dass antike Autoren sehr wohl wussten, dass es Menschen mit gleichgeschlechtlicher Veranlagung gab – und dass die neutestamentlichen Texte diese Realität kannten und bewerteten. Zwar müsse man kontextualisieren, doch die grundlegende moralische Linie bleibe gleich.

Beide Seiten beanspruchen Wissenschaftlichkeit. Genau hier setze ich in der Folge an – mit der Frage, welcher Forschungsstand eigentlich vorausgesetzt wird und welche Denkmodelle implizit mitlaufen.

 

Forschungsgeschichte: Warum Michel Foucault den Unterschied macht

Ein zentraler Teil der Folge ist ein kompakter Gang durch die Forschungsgeschichte. Für mich ist dabei entscheidend: Man kann die heutige Debatte nicht verstehen, ohne den Einfluss von Michel Foucault ernst zu nehmen.

Mit Sexualität und Wahrheit hat Foucault den Fokus radikal verschoben. Ihn interessierte nicht nur, ob es gleichgeschlechtliche Praxis gab, sondern wie sie erfahren, gedeutet und sozial eingeordnet wurde. Seine Analyse operiert mit drei Schlüsselkategorien:

  • Diskurspraktiken: Wie entsteht Wissen über Sexualität?
  • Machtsysteme: Wer definiert Normen, Abweichung, Moral?
  • Subjektivierungsformen: Können Menschen sich selbst als bestimmte „Art“ von Subjekt verstehen?

Der berühmte Satz, den ich in der Folge zitiere, bringt diese Verschiebung auf den Punkt:
„Der Sodomit war ein gelegentlicher Sünder, der Homosexuelle ist eine Spezies.“

In der Antike, so Foucault, ging es primär um Handlungen, nicht um Identitäten. Erst im 19. Jahrhundert werde Sexualität zum Kern einer Persönlichkeit, inklusive Biografie, Selbstdeutung und sozialer Zugehörigkeit. Diese Einsicht prägt heute große Teile der Geschichts-, Kultur- und Sozialwissenschaften – und aus meiner Sicht auch die Argumentation von Dietz und Faix.

 

Was meint „sexuelle Orientierung“ – und wer definiert sie wie?

Besonders aufschlussreich finde ich den Vergleich der Begriffsdefinitionen. Dietz und Faix orientieren sich am Verständnis der American Psychological Association: Sexuelle Orientierung umfasst nicht nur Begehren und Praxis, sondern auch Selbstkonzept und Identifikation mit einer Gruppe. Genau diese Dimensionen sind für mich entscheidend – und genau sie fehlen in antiken Kontexten.

Armin Baum hingegen definiert sexuelle Orientierung deutlich enger: als Ausrichtung sexueller und emotionaler Bedürfnisse, die angeboren und unveränderlich sei. Aspekte wie Selbstbezeichnung, Coming-out oder Gruppenzugehörigkeit spielen bei ihm keine Rolle.

Für mich ist das kein nebensächlicher Unterschied, sondern ein methodischer Bruch. Wer die subjektive Dimension ausblendet, kann zwar von Veranlagung sprechen, verfehlt aber das, was moderne sexuelle Orientierung ausmacht. Mein Vergleich in der Folge ist bewusst zugespitzt: Linkshändigkeit. Auch sie kann angeboren sein – ist aber keine Identität, keine Lebensform, kein Deutungsrahmen für die gesamte Biografie.

 

Antike Belege auf dem Prüfstand: Aristophanes, Aristoteles und die Frage der Erfahrung

Besonders deutlich wird der Konflikt in der Auslegung antiker Texte. Armin Baum verweist unter anderem auf den Mythos vom Kugelmenschen aus Platons Symposion. Er liest ihn als frühen Beleg für sexuelle Orientierung – hetero- wie homosexuell.

Ich folge hier der Deutung von Thorsten Dietz und widerspreche dieser Lesart. Der Mythos ist:

  • literarische Fiktion,
  • innerhalb des Dialogs später ironisiert und zurückgewiesen,
  • von Platon selbst nicht als positives Modell gemeint.

Allenfalls lässt sich aus meiner Sicht von einem Prä-Konzept sprechen – einer gedanklichen Möglichkeit, nicht aber von einer gesellschaftlich geteilten Vorstellung.

Ähnlich bei Aristoteles: Ja, er spricht von Männern, die „von Natur aus“ Männer begehren. Aber auch hier bleibt Sexualität eine Handlung unter vielen, eingebettet in Macht- und Statuslogiken von oben und unten, aktiv und passiv, männlich und unmännlich. Dass jemand Männer begehrt, macht ihn in diesem Denken nicht zu einem anderen Typ Mensch. Genau hier sehe ich den blinden Fleck der Kontinuitätsthese: Sie fragt nach moralischer Bewertung, aber nicht nach Erfahrungsstruktur.

 

Wissenschaft oder Anachronismus? Meine Kritik an Armin Baum

Im Zentrum der Folge steht schließlich meine Auseinandersetzung mit der Rezension selbst. Baum wirft Dietz und Faix vor, den altertumswissenschaftlichen Forschungsstand zu ignorieren und ihre transformative Sexualethik auf fehlerhafte Annahmen zu stützen.

Ich halte dagegen – sachlich, aber deutlich. Mein Hauptkritikpunkt: Baum stützt sich maßgeblich auf Literatur aus den 1990er Jahren (etwa Karl Hoheisel 1994, Bernadette Brooten 1996), ohne den seither breit rezipierten konstruktivistischen Forschungsstrang ernsthaft zu diskutieren. Foucault, so mein Eindruck, kommt praktisch nicht vor.

Damit entsteht für mich ein paradoxes Bild: Ausgerechnet diejenigen, die Differenzen betonen und ihre Voraussetzungen offenlegen, werden der Unwissenschaftlichkeit bezichtigt – während eine Position, die neuere Debatten ausblendet, als Maßstab gesetzt wird.

Mein Fazit fällt entsprechend klar aus: Dietz und Faix arbeiten aus meiner Sicht transparenter, differenzierter und näher am aktuellen Forschungsdiskurs. Die pauschale Abwertung ihrer Arbeit als wissenschaftlich defizitär ist für mich „dick aufgetragen“ – und in dieser Form nicht überzeugend.

 

Ausblick: Warum diese Debatte mehr ist als ein Gelehrtenstreit

Die Folge macht deutlich: Die Frage nach sexueller Orientierung in der Antike ist kein akademisches Randthema. Sie entscheidet darüber, wie Bibel gelesen wird, wie Theologie mit Geschichte umgeht – und welche Formen von Kirche heute möglich sind.

Offen bleibt für mich, ob und wie die unterschiedlichen Lager wieder stärker miteinander ins Gespräch kommen können. Klar ist aber: Wer über Sexualethik redet, kommt an der Frage historischer Erfahrung nicht vorbei.

Die Folge lädt dazu ein, genauer hinzuhören, Begriffe nicht vorschnell gleichzusetzen – und zu verstehen, warum theologische Urteile immer auch von ihrem historischen Rahmen abhängen. Wer die gegenwärtigen Konflikte in Kirche und Gesellschaft besser begreifen will, findet hier reichlich Stoff zum Weiterdenken – und zum Weiterhören.

Literatur:

Baum, A. D. (2023). Das Konzept der sexuellen Orientierung in der griechisch-römischen Umwelt des Neuen Testaments: Philosophische, medizinische, astrologische und andere Quellentexte in deutscher Übersetzung. Ephemerides Theologicae Lovanienses, 99(4), 609–637. https://doi.org/10.2143/ETL.99.4.3292520

Baum, A. D. (2025). Karte und Gebiet. In Biblisch erneuerte Theologie (BeTh) (Bd. 9, S. 247–273). https://www.armin-baum.de/wp-content/uploads/2026/01/Karte-und-Gebiet-BeTh-9-2025-247-273.pdf

Brooten, B. J. (2026). „Verachtenswerte Leidenschaften“? Gleichgeschlechtliche Liebe im Neuen Testament. In In aller Vielfalt (S. xx–xx). Mohr Siebeck.

Dietz, T. (2016). Bibel und Homosexualität II (unveröffentlichtes Manuskript). https://thorsten-dietz.info/wp-content/uploads/2023/10/Bibel-und-Homosexualitaet-2016.pdf

Dietz, T., & Faix, T. (2025). Transformative Ethik – Wege zur Liebe: Eine Sexualethik zum Selberdenken. Neukirchener Verlag.

Foucault, M. (1977). Der Wille zum Wissen. Sexualität und Wahrheit (Bd. 1). Suhrkamp.

Hubbard, T. K. (Ed.). (2003). Homosexuality in Greece and Rome: A sourcebook of basic documents. University of California Press.

Meister, J. B. (2023). Von „weichen Männern“ zur „Sünde von Sodom“: Vorstellungen von Männlichkeit und homosexuellen Praktiken in der römischen Antike. Mohr Siebeck.

Stegemann, W. (1998). Homosexualität – ein modernes Konzept. Zeitschrift für Neues Testament, 2, 61–68.

Williams, C. A. (2020). Roman homosexuality: Ideologies of masculinity in classical antiquity (2nd ed.). Oxford University Press.

 

5 Antworten

  1. Lieber Jason,

    für mich ist dieser Artikel wie die ganze Debatte wirklich augenöffnend. Aber vermutlich nicht in dem Sinne, den du beabsichtigt hast.
    Mich erinnert diese ganze Folge an die Auseinandersetzung um NT Wrights Auferstehungsbuch vor 20 Jahren: Als die Altertumswissenschaftler ihm vorgeworfen haben, unwissenschaftlich zu arbeiten, weil er eine tatsächlich leibliche Auferstehung als mögliches, sogar wahrscheinliches Ergebnis seiner historischen Studien präsentiert hat. „Eine Auferstehung kann nicht stattgefunden haben. Und die Altertumswissenschaft kann sie nicht als wahrscheinliches Ergebnis annehmen. “ – „Wieso nicht?“ – „Weil wir Altertumswissenschaft so definieren, dass sie keine Auferstehung annehmen kann.“
    Das bringt doch einfach gar nichts.
    Selbstverständlich (!) hatte weder Paulus noch irgendein Mensch, der in der Antike geschrieben hat, ein post-freudsches, post-foucaultsches Verständnis sexueller Orientierung.
    Das festzustellen ist genauso hilfreich, wie wahrzunehmen, dass kein Antiker Autor ein Konzept für einen Führerschein Klasse B hatte. Oder nicht verstanden hat, wie die Warteschlange vor dem Sicherheitscheck am Flughafen sich organisiert. Vollkommen geschenkt.
    Gerade deswegen legt Armin in seiner Rezension seine Definition von sexueller Orientierung offen. Und diese Beantwortet ja tatsächlich eine relevante Frage: Gab es in der Antike ein Verständnis davon, dass es eine unveränderliche und angeborene emotionale und sexuelle Ausgerichtetheit auf das gleiche Geschlecht gibt.
    In diesem Sinne ist der bedeutsamste Teil deiner Auseinandersetzung ja der Teil, in dem du seine Interpretation der Texte, die er zu Rate ziehst, kritisierst. Aber das bleibt auch hinter deinem eigenen Anspruch zurück. Dass Armin Aristoteles nicht durch die foucaultsche Brille liest, ist ihm ja vollkommen bewusst. Die wichtigere Frage ist ja, wie hilfreich das überhaupt sein würde. In diesem Sinne ist das einzige wirklich hilfreiche in diesem Abschnitt deine detailliertere Auseinandersetzung mit dem Kugelmenschen Mythos. Vielleicht ist das tatsächlich kein hilfreiches Beispiel. Vielleicht schon. Da scheint mir die Forschung deutlich weniger eindeutig zu sein, als du es darstellst. Vor allem auch, wenn man die Rezeptionsgeschichte des Kugelmenschen betrachtet. Aber selbst WENN das ein schlechtes Beispiel war, dann bleiben ja für Armins These noch ein Haufen anderer kultureller Beispiele einer von seiner Definition sexueller Orientierung herkommenden angeborenen und unveränderbaren Anziehung zum gleichen Geschlecht.
    Du gehst insgesamt davon aus, dass der konstruktivistische Ansatz im Grunde die komplette Geschichtswissenschaft auf links gedreht hat und seitdem nichts mehr ohne geht. Das ist ja auch eine sehr beschränkte Sicht der Forschung.
    Toby und Thorsten nehmen im ersten Band ihrer Ethik sogar ausdrücklich positiv Bezug auf NT Wright. Und der von ihm und anderen ausgeführte Ansatz des „Kritischen Realismusses“ ist, in meiner Wahrnehmung, zumindest international mittlerweile deutlich weiter verbreitet als der konstruktivistische. Wright beschreibt ja seinen Kritischen Realismus gerade auch in Abgrenzung zum (radikalen) Konstruktivismus.
    Jetzt habe ich den zweiten Band der Ethik bis jetzt nicht gelesen und bin auch nicht sicher, dass ich das noch tun werde. Aber zumindest im ersten Band schreiben Thorsten und Toby in meiner Erinnerung gerade nicht (!), dass sie einem konstruktivischen Ansatz in der Geschichtswissenschaft folgen. Und argumentieren entsprechend auch nicht auf diese Weise. Dadurch ist dein Fazit, dass sie ihre Herangehensweisen offen legen würde, während Armin das nicht tut, in meiner Lesart auch vollkommen verfehlt. Ich bin nichtmal sicher, ob sie dir da einfach so zustimmen würden. Vielleicht schon, das würde mich dann aber auch interessieren.
    Und nochmal: Selbst WENN das so wäre und in der internationalen Geschichtswissenschaft der Konstruktivismus die vorherrschende oder sogar monopolistische Herangehensweise sein sollte, selbst dann wäre es natürlich immer noch vollkommen legitim, eine andere Herangehensweise vorzuziehen. Natürlich nur, wenn diese Herangehensweise sich der gleichen Kritik unterziehen lässt, die man selbst an den anderen Ansätzen üben würde. Also: das ist dann natürlich überhaupt nicht unwissenschaftlich.

    Das alles ist schon augenöffnend für mich. Weil hier zwei Parteien vollkommen aneinander vorbeizureden scheinen.
    Aber ich frage mich immer noch: Wollen wir das? Reden wir bewusst aneinander vorbei, um unsere Blase zu bedienen? Oder schaffen wir es einfach nicht, uns auf gemeinsame Begriffe zu einigen?

    In diesem Sinne ist es auch immer noch verwirrend für mich.

    Viele liebe Grüße
    Marcus

    1. Hallo Marcus,
      vielen Dank für deine ausführliche und ernsthafte Rückmeldung. Ich schätze sehr, wie sorgfältig du argumentierst – gerade weil hier tatsächlich ein tiefer methodischer Dissens sichtbar wird, der aus meiner Sicht weit über einzelne Texte oder Positionen hinausgeht. Ich versuche, meine Perspektive noch einmal klar und präzise zu formulieren.
      Ich beginne mit deinem Wright-Vergleich, weil er für mich genau das Grundproblem sichtbar macht. Du schreibst, Altertumswissenschaftler hätten sich mit Wright „gezofft“. Meine Einschätzung wäre deutlich schärfer: In der universitären Geschichtswissenschaft hat Wright faktisch kaum eine Rolle gespielt. Historiker rezipieren in der Regel keine systematischen oder neutestamentlichen Theologen – vielleicht auch aus Arroganz, sicherlich aber deswegen, weil es sich um unterschiedliche Diskursräume handelt.
      Wright wurde intensiv innerhalb evangelikaler und angelsächsischer theologischer Debatten diskutiert. In der deutschsprachigen akademischen Theologie spielte er kaum eine Rolle; rezipiert wurden dort eher Sanders, Dunn oder andere Vertreter der New Perspective. In der eigentlichen Altertumswissenschaft – also in historischen Fachzeitschriften oder Monographien, bei De Gruyter, Beck, im Neuen Pauly usw. – ist Wright praktisch nicht präsent.
      Das ist für mich zentral: Was hier und bei Baum als „altertumswissenschaftlicher Diskurs“ bezeichnet wird, ist in Wahrheit ein innentheologischer Diskurs, der vor allem im evangelikalen Raum geführt wird. Wenn Baum von „altertumswissenschaftlichem Forschungsstand“ spricht, meint er nicht den Diskurs der historischen Wissenschaften an Universitäten, sondern einen theologischen Spezialdiskurs, in dem evangelikale und konservative Theologen über historische Fragen sprechen. Genau hier liegt für mich das eigentliche Problem.
      Damit bin ich bei dem Punkt, der mir methodisch entscheidend erscheint: der Fragestellung selbst. Wenn Baum fragt, ob es in der Antike ein Verständnis einer „angeborenen und unveränderlichen sexuellen Ausgerichtetheit“ gegeben habe, dann ist diese Frage aus historischer Perspektive anachronistisch. Sie fragt nicht danach, wie Sexualität in der Antike verstanden wurde, sondern ob es unser heutiges Konzept dort bereits gegeben habe. Mit einer solchen Fragestellung kommt man in keinem geschichtswissenschaftlichen Proseminar durch.
      Historisch fragt man nicht: „Gab es unser Konzept damals schon?“
      Historisch fragt man: „Wie wurde Sexualität damals verstanden – und worin unterscheidet sich dieses Verständnis grundsätzlich von unserem?“
      Das ist kein konstruktivistischer Sonderweg, sondern elementares Handwerkszeug historischer Alteritätsforschung. Genau so verfährt man bei Frauenbildern, Kindheit, Krankheit, Wahnsinn, Religion oder Identität insgesamt. Fast immer ist das Ergebnis: Unsere Kategorien greifen nicht. Die Konzepte sind andere. Und genau das ist hier der Punkt.
      In diesem Sinn halte ich die Frage nach „sexueller Orientierung“ im heutigen Sinn für anachronistisch – selbst wenn es selbstverständlich auch in der Antike Präferenzen, Neigungen und stabile Begehren gab. Der entscheidende Unterschied liegt nicht auf der Ebene der Veranlagung, sondern auf der Ebene des Selbstverständnisses und der sozialen Kategorisierung.
      Der Konstruktivismus hat einen guten Methodenpool entwickelt, um diese historischen Unterschiede sichtbar zu machen. Es geht mir nicht darum zu sagen, „alles ist konstruiert“. Es geht darum zu zeigen: Auch reale Dispositionen werden kulturell gedeutet, sprachlich gefasst und sozial eingeordnet. Kategorien wie „homosexuell“ sind nicht bloß Beschreibungen von Begehren, sondern Identitätsbegriffe mit Selbstkonzept, Biografie, Gruppenzugehörigkeit und sozialer Anerkennung. Genau diese Dimension fehlt in vormodernen Kontexten weitgehend.
      Die historischen Beispiele dazu habe ich in einem früheren Podcast ausführlicher entfaltet (u.a. am Beispiel der cinaedi). Mir geht es hier vor allem um den methodischen Befund: Je genauer man sich auf antike Kategorien einlässt, desto deutlicher wird, dass unsere Begriffe systematisch nicht passen.
      An diesem Punkt wird für mich auch die Schwäche von Baums Argumentation sichtbar. Mein Vorwurf ist nicht, dass er eine andere Position vertritt – das ist völlig legitim. Mein Vorwurf ist, dass er seinen Ansatz als „den wissenschaftlichen Forschungsstand“ markiert, obwohl er sich faktisch fast ausschließlich innerhalb eines innentheologischen, vor allem evangelikalen Diskurses bewegt.
      Warum spielen große historische Referenzwerke wie der Neue Pauly keine Rolle?
      Warum treten kaum Historiker als Gesprächspartner auf?
      Warum stammen die zentralen Referenzen fast ausschließlich aus theologischen Lexika und theologischen Spezialdebatten?
      Warum publiziert Baum vor allem in freikirchlichen Verlagen und kaum im historischen Fachverlagswesen?
      Aus meiner Sicht ist die Antwort klar: Sein Begriff von „Wissenschaft“ ist ein theologischer Binnenbegriff. Und genau deshalb wirkt der Vorwurf an Dietz und Faix, sie hätten den „wissenschaftlichen Stand“ verfehlt, methodisch irreführend. Es wird ein theologischer Spezialdiskurs mit der Geschichtswissenschaft als ganzer identifiziert – und das halte ich für unzulässig.
      Zu deinem Hinweis auf kritischen Realismus: Selbstverständlich ist der Konstruktivismus nicht der einzige Ansatz, und es ist vollkommen legitim, andere Zugänge zu wählen. Aber genau hier liegt aus meiner Sicht die eigentliche Verpflichtung: Wer einen anderen Ansatz vertritt, muss zunächst den dominanten Forschungsstand so darstellen, dass man sagen kann: Diese Position ist fair, umfassend und nachvollziehbar repräsentiert. Erst dann kann man sie kritisieren und zu eigenen Schlussfolgerungen kommen.
      Genau das vermisse ich im evangelikalen Diskurs – und bei Baum im Besonderen. Die Ergebnisse der kulturhistorischen Sexualitätsforschung werden nicht systematisch dargestellt, sondern weitgehend ausgeblendet, ignoriert oder verkürzt. Und solange diese Argumente nicht nachvollziehbar reproduziert werden, kann aus meiner Sicht auch keine Diskussion „auf Augenhöhe“ stattfinden.
      Vielleicht noch ein Punkt zu Dietz und Faix: Ich habe mit beiden vor Veröffentlichung ausführlich gesprochen. Auch wenn sie selbst eine moderate Position vertreten und keinen radikalen Konstruktivismus vertreten würden, teilen sie sehr klar die Grundannahmen historischer Alteritätsforschung und denken konstruktivistische Einsichten ausdrücklich mit. Beide haben meinen Beitrag vorher zugeschickt bekommen und auch geteilt.
      Die Grundannahmen der historischen Forschung prägt ihre Argumentation durchgängig – sowohl im Buch als auch in persönlichen Gesprächen und Vorträgen. Insofern halte ich die Unterstellung, sie würden diesen Forschungsstand nicht reflektieren (dafür aber mit Wrights Thesen konform gehen), für sachlich nicht haltbar.
      Deine Schlussfrage trifft deshalb für mich sehr genau ins Zentrum: Reden wir aneinander vorbei? Ich glaube nicht bewusst. Aber ich glaube, dass hier sehr unterschiedliche Wissenschaftsbegriffe im Spiel sind – und dass der evangelikale Diskurs bislang kaum bereit ist, sich wirklich auf den historischen Forschungsstand einzulassen, ihn fair zu repräsentieren und dann erst kritisch zu bewerten.
      Genau das würde ich mir wünschen: Dass evangelikale Theologen die Argumente der Geschichtswissenschaft so darstellen, dass man sagen kann: Diese Position ist verstanden, ernst genommen und sauber wiedergegeben. Erst dann lohnt sich die eigentliche Kontroverse.
      Viele Grüße
      Jason

      1. Lieber Jason,

        danke dir für deine ausführliche Antwort. Ich habe sie mit großer Bewunderung gelesen und schätzen den Austausch mit dir sehr.

        Ich möchte das auch nicht zu weit in die Länge ziehen.

        Ein Aspekt war für mich aber besonders augenfällig.

        Armin reagiert in diesem von dir vornehmlich besprochenen Teil ja auf eine These, die Thorsten und Toby aufstellen. Zitiert Armin hier falsch?
        Ich nehme für mein Argument einfach mal an, dass dieses Zitat aus der Sexualethik faktisch korrekt wiedergegeben ist und nicht die gesamte Darstellung verzerrt: „Nirgendwo aber hat man [in der Antike] daraus die moderne Einsicht gezogen, dass es bestimmte Menschen gibt, die konstitutiv veranlagt sind, nur in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung sexuelle Anziehung und Liebe finden zu können.“ Dazu führt Armin noch zwei indirekte Zitate aus dem Buch an.
        Mit diesem Zitat begrenzt Armin seinen eigenen Interpretationsrahmen: Ist diese These haltbar?
        Und damit ist Armins „Gegenthese“ ja eine, die ganz wissenschaftlich überprüft werden kann. Denn dann führen sie selbst schon die Frage auf die konstitutionelle Veranlagung homosexueller Anziehung eng. Und das ist ja eine ganz normale Art, eine Rezension zu schreiben. Man greift Thesen eines Buches auf und bestätigt sie oder widerspricht ihr mit Belegen.
        Wenn es stimmt, was du sagt: Dass Thorsten und Toby die altertumswissenschaftliche Forschung „immer mitdenken“ und entsprechend nicht *nur* die konstitutionelle Veranlagung als Referenzrahmen heranziehen, sondern die ganze post-foucaultsche Definition von sexueller Orientierung, dann handelt es sich hier in der positivsten Lesart der ganzen Debatte um ein Missverständnis. Diese beruht entweder auf einem defizitären Lesen auf Armins Seite oder eine defizitären Kommunikation auf Autorenseite. Entweder kann Armin nicht lesen – und Thorsten und Toby sagen: klar, es gibt diese Vorstellung davon, dass es eine „konstitutionelle Veranlagung“ gibt. Aber das ist noch nicht die ganze Definition von „sexueller Orientierung.“ Dann würde aber die Frage bleiben, wieso sie die relevanten antiken Quellentexte nicht wirklich besprechen. Oder aber Thorsten und Toby kommunizieren hier schlecht und führen die Frage erst eng, um sie dann wieder auszuweiten.
        Es bleibt aber die Frage: Steht diese These, wie Armin sie zitiert, so in dem Buch? Sollte dem so sein, dann finde ich, dass Armins Antwort volle Berechtigung hat.
        Du schreibst darüber hinaus, dass man in der Altertumsforschung nicht die Frage stellt: „Gab es dieses Konzept schon in der Antike?“
        Das kann sein.
        Aber Armin führt in seinem Artikel, den du selbst zitierst, ja nicht weniger 12 relativ junge Veröffentlichungen aus dem theologischen (nicht evangelikalen Subkontext!) Spektrum auf, die vielleicht nicht diese Frage stellen, aber die kongruente These aufstellen: Damals gab es das Konzept einer konstitutionellen Veranlagung nicht. Dann gibt es diese Frage vielleicht in der Altertumswissenschaft nicht. Aber in der Theologie durchaus, und nicht nur in der Evangelikalen akademischen Einlassung – sondern über das ganze Spektrum hinweg.
        Armin antwortet also auch dort nur auf eine verbreitete These mit der Aussage, dass er schon einige Belege dafür findet, dass eine konstitutionelle Veranlagung zum homosexuellen Verlangen tatsächlich Teil der antiken Konzeption der Sexualität war.

        Das alles kann man natürlich als eine Binnendiskussion beschreiben. Armins Bezugnahme auf Thomas Hubbard, kein Theologe, sondern ausgewiesener Altertumswissenschaftler und auch laut Thorstens eigener Aussage (auf Facebook vor einer Weile) einer der Standardreferenzwerke zur diesem ganzen Themenkomplex, blickt allerdings mindestens für einen Moment aus der Binnendiskussion heraus über den Tellerrand. Auch seine Bezugnahme zu Matthias Becker ist ja zu einem ausgewiesenen Altertumswissenschaftler – promoviert in griechischer Philologie.

        Aber den Vorwurf der Binnendiskussion müsstest du dann dem Buch von Thorsten und Toby genauso machen, weil – wie ich versucht habe zu zeigen – die Frage von ihnen (und vielen andere Theologietreibenden) aufgeworfen wird.

        Viele liebe Grüße
        Marcus

        P.S. noch eine ganz andere Notiz: Du hast recht, dass Altertumswissenschaftler NT Wrights These zur Auferstehung eher nicht diskutiert haben. Ich hatte das vor Jahren mal als Gegenüberstellung gelesen – Wrights Ergebnis und Geza Vermes Ergebnis aus seinem Buch zur Auferstehung – und hatte das immer als direkte Referenz abgespeichert. Das ist allerdings nicht so.
        Die Grundthese oben bleibt aber trotzdem valide: Altertumswissenschaftler (wie Vermes zB) definieren ihren Forschungsbereich so, dass eine leibliche Auferstehung faktisch nicht erkennbar ist und deswegen als Ergebnis „unwissenschaftlich“ wird. Das scheint mir aber ein Zirkelschluss zu sein.

        1. Hallo Marcus,
          vielen Dank für deine wertschätzende Rückmeldung und für die Zuspitzung auf einen zentralen Punkt. Ich finde es gut, dass du die Debatte genau hier fokussierst, denn an der Frage der Zitation und der Argumentationsfigur entscheidet sich tatsächlich viel.
          Du fragst, ob Armin hier falsch zitiert oder zumindest sinnvoll seinen Interpretationsrahmen begrenzt. Meine Antwort darauf ist klar: Nein, er begrenzt ihn nicht sinnvoll – und ja, er verkürzt die Position von Dietz und Faix in einer Weise, die ihre eigentliche Argumentation verfehlt.
          Ich versuche das kurz, aber nachvollziehbar zu entfalten, auch für Menschen, die den Text nicht unmittelbar vor Augen haben.
          Wege der Liebe beginnt im einschlägigen Abschnitt (ab S. 217) mit einer breiten Definition sexueller Orientierung, die ausdrücklich nicht auf konstitutionelle Veranlagung verengt ist, sondern Identität, Selbstkonzept, soziale Einbettung und historische Deutungsrahmen umfasst. Diese Definition greift bewusst die Forschung seit Foucault auf und ist entsprechend multidimensional angelegt.
          Ab S. 218 folgt dann eine historische Einordnung aus geschichtswissenschaftlicher Perspektive, unter Rückgriff auf Jan Meister, Williames und Kyle Harper – allesamt Vertreter einer post-foucaultschen, kulturhistorischen Lesart. Diese Passage zielt gerade darauf, den historischen Wandel von Sexualitätskonzepten sichtbar zu machen. Ab S. 219 wird dieser Wandel mit Blick auf Rechtsprechung und kirchliche Positionen weitergeführt (warum die Darstellung dort in den 1970er Jahren endet, wäre tatsächlich eine eigene Frage).
          Erst ab S. 223 wird explizit theologisch argumentiert – und zwar nicht historisch rekonstruierend, sondern systematisch ordnend. An dieser Stelle zitieren Dietz und Faix ausdrücklich das WiBiLex (AT und NT) und machen deutlich, was sie als sehr weitgehenden Konsens sowohl der evangelischen als auch der katholischen Bibelwissenschaft verstehen: dass das moderne, identitätsbezogene Verständnis von Homosexualität in der Antike so nicht bekannt war. Ich zitiere die zentrale Passage bewusst noch einmal vollständig, weil sie den argumentativen Rahmen klar absteckt:
          „Für die gesamte Antike gilt, dass das heutige differenzierte Konzept von Homosexualität als vieldimensionales Phänomen und integrierter Bestandteil einer Persönlichkeit so nicht bekannt war.“
          Damit ist der Referenzrahmen eindeutig gesetzt: Es geht nicht primär um die Frage konstitutioneller Veranlagung, sondern um das Fehlen eines modernen Identitätskonzepts.
          Erst danach (S. 224 f.) setzen sich Dietz und Faix mit einem alternativen theologischen Standpunkt auseinander – explizit mit Positionen, wie sie etwa von Baum und Becker vertreten werden. In diesem Zusammenhang fällt dann der von dir zitierte Satz:
          „Nirgendwo aber hat man [in der Antike] daraus die moderne Einsicht gezogen, dass es bestimmte Menschen gibt, die konstitutiv veranlagt sind, nur in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung sexuelle Anziehung und Liebe finden zu können.“
          Dieser Satz ist jedoch kein zusammenfassendes Grundstatement von Dietz und Faix, sondern ein gezielt gesetztes Gegenargument innerhalb einer Auseinandersetzung mit der Veranlagungsthese. Er markiert eine Differenz: Es mag Präkonzepte gegeben haben, aber diese führen nicht zu dem modernen Verständnis exklusiver, identitätsstiftender Orientierung. Genau das wird auf der folgenden Seite anhand konkreter Beispiele entfaltet – etwa an Ganymed oder Hadrian, die selbstverständlich als Ehemänner und Väter beschrieben werden.
          In diesem Licht halte ich Armin Baums Vorgehen für problematisch. Er isoliert einen Satz aus einer argumentativen Bewegung heraus, liest ihn als Grundthese des Buches und reagiert dann auf eine Position, die Dietz und Faix so gar nicht vertreten. Das ist keine bloße Zuspitzung, sondern eine Verkürzung, die es ihm erlaubt, an einer Stelle zu argumentieren, an der das Buch längst weiter ist.
          Ob das aus Unachtsamkeit geschieht oder aus strategischer Zuspitzung, kann und will ich nicht beurteilen. Entscheidend ist: Die eigentliche Argumentationsfigur von Dietz und Faix wird dadurch nicht getroffen. Baum will zeigen, dass es in der Antike Vorstellungen konstitutiver Veranlagung gegeben habe. Dietz und Faix bestreiten das in dieser Form gar nicht, sondern zeigen, dass diese Präkonzepte strukturell nicht mit modernen Identitätsmodellen vergleichbar sind. Genau diese Differenz geht bei Baum vollständig verloren.
          Ein ähnliches Muster sehe ich – und das habe ich auch im Video angesprochen – in seiner Rezeption von Thomas Hubbard. Auch dort wird eine einzelne Aussage herausgegriffen, die gut zur eigenen These passt, während Hubbards deutlich differenziertere Gesamteinschätzung weitgehend unberücksichtigt bleibt. Dass Baum hier zwölf Autor anführt, ändert daran wenig, wenn deren Positionen jeweils nur selektiv und nicht in ihrer inneren Logik dargestellt werden.
          Damit bin ich auch bei deinem Punkt zur sogenannten „Binnendiskussion“. Du hast recht: Die Frage nach konstitutioneller Veranlagung wird in der Theologie breit diskutiert – nicht nur im evangelikalen Kontext. Mein Vorwurf ist deshalb nicht, dass Baum sich auf eine theologische Debatte einlässt. Mein Vorwurf ist, dass er Positionen innerhalb dieser Debatte nicht fair und vollständig darstellt, sondern so verkürzt, dass ihre eigentliche Stoßrichtung unterläuft wird.
          Im Fall von Dietz und Faix kann ich das relativ klar sagen, weil ich mit beiden vor Veröffentlichung gesprochen habe. Auch wenn sie selbst keinen radikalen Konstruktivismus vertreten würden, denken sie die Grundannahmen historischer Alteritätsforschung und konstruktivistischer Sexualitätsgeschichte ausdrücklich mit. Die Unterstellung, sie würden diese Forschung ignorieren oder verfehlen, wird ihrer tatsächlichen Argumentation nicht gerecht.
          Ich sage ausdrücklich nicht, dass Dietz und Faix nicht kritisierbar wären – im Gegenteil. Aber eine solche Kritik müsste ihre Argumente zunächst sorgfältig rekonstruieren, bevor sie ihnen widerspricht. Genau daran fehlt es aus meiner Sicht bei Baum. Seine Argumentation wirkt nur deshalb schlüssig, weil zentrale Differenzierungen der Gegenseite unterschlagen werden. Sobald man die Texte selbst liest, verliert diese Kritik erheblich an Substanz.
          In diesem Sinn würde ich den Begriff der „Binnendiskussion“ noch einmal zuspitzen: Mein Problem ist nicht, dass hier theologisch diskutiert wird, sondern dass diese Diskussion methodisch unsauber geführt wird. Wer den Forschungsstand kritisieren will, muss ihn so darstellen, dass die Vertreter dieser Position sagen könnten: Ja, so würde ich meine eigene Argumentation wiedererkennen. Genau das ist hier aus meiner Sicht nicht der Fall.
          Viele Grüße
          Jason

          1. Lieber Jason,

            danke dir für die Klarstellung.
            Ich verstehe nun deutlich besser, wo der Dissens eigentlich liegt.
            Mir scheint es weiterhin so zu sein, dass Thorsten und Toby, wenn sie sich zu der Frage der konstitutionellen Veranlagung in der Antiken Literatur äußern,
            auch eine Antwort auf diese Frage bekommen dürfen.
            Aber ich verstehe auch, dass du ihre Einlassung dazu immer eingebettet in ihre anderen Fragen liest und deswegen diese Zuspitzung unzulässig findest.
            Ich werde dem nochmal nachgehen, um Klarheit zu bekommen, wie ich das ganze verstehe.
            Aber danke dir für die Zeit, die du investiert hast, um mir beim Verstehen der Debatte zu helfen.

            Viele liebe Grüße
            Marcus

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